Veröffentlicht am Fr., 9. Nov. 2018 11:04 Uhr

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.  Matthäus 2, 10

Manchmal sind es ganz einfache Sätze, die doch so viel sagen. Im knappen Monatsspruch für Dezember steckt doch so viel an Weihnachtsfreude drin. Besonders dieses Wort „hocherfreut“ drückt Weihnachten für mich besonders aus. Wann gebrauchen wir schon so ein Wort? Ich meine, dass das Gefühl, über etwas so erfreut zu sein, zu Weihnachten passt wie kein anderes.

Weihnachten ist die Zeit der Gefühle. Und hinter all dem, was Menschen zu Weihnachten hoch erfreut wie Familie, Ruhe, Gemeinschaft, Singen, Besinnlichkeit steht unsichtbar immer das eine große Ereignis: Gott wurde Mensch.

Denn es ist keine grundlose Freude. Die Freude bezieht sich auf den Stern, den sie sahen. Der Stern, Jesus Christus, der mit seinem Licht unsere Herzen erreicht. Der Stern, der uns aufblicken lässt - weg von dem Blick des Horizontalen oder gar des gesenkten Hauptes mit Blick nach unten. Dieser Stern zieht uns nach oben. Zur Weihnachtsfreude gehört der Blick nach oben. Die Kraft Gottes, der selbst als schwaches Wesen zur Welt kommen wollte, bringt die Verbindung zwischen dem Kind in der Krippe, das da vor uns liegt und dem nach oben gerichteten Blick. Denn von dort ist es gekommen und eröffnet uns die neue Perspektive des Himmels.

Es gibt aber noch einen Aspekt dieses Wortes aus dem Matthäus-Evangelium: Im Matthäus Evangelium wird – anders als bei Lukas – die Bedrohung des kleinen Jesus-Knaben durch Herodes sehr drastisch geschildert. Der Kindermord zu Bethlehem, dem Jesus knapp entrinnt durch die göttliche Macht der Engel, wird zum Synonym für die weiche, verletzliche, hilfsbedürftige Seite Gottes in seiner menschlichen Gestalt. Gott konnte und wollte dem Bösen in der Welt nicht mit gleicher Münze heimzahlen, sondern ging den Weg der Flucht aus dieser Situation. Genau diese verletzliche Seite Gottes ist aus meiner Sicht das, was uns zu Weihnachten in einer oft unbewussten Weise anrührt und unsere Gefühle anspricht und nicht so sehr unseren Verstand. Nur dadurch wurde er wirklich Mensch, wurde er einer von uns.

Denn auch wir erleben in unserem Leben auf unterschiedliche Weise immer wieder einmal Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und das ist eine grundlegende Frage unseres Glaubens. Oft wünschen wir uns einen Gott, der endlich einmal mit Schwert und Macht daherkommt und das Böse besiegt oder es zumindest nicht zulässt. Aber damit nehmen wir Gott in seinem Willen nicht ernst. Wenn er es denn nämlich tun würde, dann würden wir wiederum sagen: Ja na klar, dass er das kann und seinen Sohn rettet, aber wir Menschen können das genau nicht! Die Selbstverwirklichung Gottes ist das Zeichen schlechthin zu Weihnachten. Und das ist das größte Liebeszeichen, das es auf der Welt gibt.

Manchmal sind es ganz einfache Sätze, die doch so viel dagegen: Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser wundervollen Zeit diese Liebe Gottes erfahren und fühlen in ihren Herzen und diese teilen können mit anderen. Ihnen allen eine gesegnete Weihnachtszeit.

Joachim Krätschell

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