Veröffentlicht am Mo., 24. Dez. 2018 00:00 Uhr

Komm wir ziehen in den Frieden
Wir sind mehr als Du glaubst
Wir sind schlafende Riesen
Aber jetzt stehen wir auf

Lass Sie ruhig sagen das wir Träumer sind
Am Ende werden wir gewinnen
Wir lassen diese Welt nicht unter gehen
Komm wir ziehen in den Frieden

Überall diese Kriege
Da kann niemand gewinnen
Stell Dir vor es ist Frieden
Und jeder geht hin.“

Pfarrerin Cornelia Benus-Dreyer

So beginnt eines der neuen Lieder von Udo Lindenberg.

„Komm wir ziehen in den Frieden…“ - mir gefällt diese Zeile, weil sie mich mitnimmt auf einen ganz besonderen Weg. Anders, als der Appell: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin…“ Den teile ich auch. Aber hier höre ich noch mehr und noch Anderes. Hier höre ich, wohin ich mit Freude mitgehen kann, ja, gern mitgehen möchte. Ich sehe ein Ziel und es erfüllt mich mit Sehnsucht. Ich spüre die Vielen, die auch mitgehen möchten oder schon auf dem Weg sind. Die Worte zaubern ein Gegenbild zu Krieg, Gewalt und Zerstörung. Mehr als 30 Kriege und bewaffnete Konflikte gibt es aktuell auf der Welt. Im November wurde des Endes des ersten Weltkriegs gedacht, in dem mehr als 17 Millionen Menschen getötet wurden. Es folgte eine Atempause bis zur zweiten großen Kriegskatastrophe des letzten Jahrhunderts mit mehr als 60 Millionen Todesopfern. Seitdem dürfen wir hier in einem Frieden leben, der sich anfühlen mag wie ein selbstverständlicher Dauergast und uns vergessen lassen kann, dass er ständig mit Geduld, Weisheit und Entschlossenheit erhalten, bewahrt und gestaltet werden muss.

„Komm, wir ziehen in den Frieden…“ - das ist eine Möglichkeit, etwas von der großartigen Botschaft auszudrücken, die in der Jahreslosung für das neue Jahr 2019 steckt.

Gott spricht: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)

Die hebräischen Wörter hinter dieser Übersetzung finde ich sehr spannend.

Das Wort für „suchen“ meint ein absolut aktives, nach vorne blickendes Tun, ein sehnsüchtiges, hellwaches Sich-Ausstrecken nach dem Ziel, das man vor Augen und/oder im Herzen hat. Und das Wort für „nachjagen“ meint tatsächlich, dass wir uns dem Frieden genauso widmen sollen, wie ein Jäger seiner Beute: aufmerksam, geduldig, kenntnisreich, entschlossen, klug und mit Augenmaß, wachsam, Gefahren und Gefährdungen niemals aus dem Blick verlierend.

Und dann erst das wunderbare hebräische Wort, das wir mit „Frieden“ übersetzen: „Schalom“. Dieses Wort meint viel mehr und Anderes als die Abwesenheit von Krieg.

„Schalom“ bedeutet: Vervollständigung, Gesundheit, Wohlfahrt, Gerechtigkeit, Sicherheit, Frieden, Unversehrtheit, Heil…. „Schalom“ umfasst den göttlichen Frieden von Gott für uns Menschen, den weltlichen Frieden und den inneren Frieden eines Menschen und noch viel mehr. Der jüdische Gelehrte Claude J. G. Montefiore (1858-1938) schreibt, „Schalom“ sei „der Friede, der allein versöhnt und stärkt, der uns beruhigt und unser Gesichtsbild aufhellt, uns von Unrast und von der Knechtung durch unbefriedigte Gelüste frei macht, uns das Bewusstsein des Erreichten gibt, das Bewusstsein der Dauer inmitten unserer eigenen Vergänglichkeit und der aller Äußerlichkeiten.“

Die Jahreslosung lädt uns ein, diesen ganzen Bedeutungshorizont wahrzunehmen, uns darin einzuüben und Erfahrungen damit zu machen. Angefangen in unserem privaten Bereich und dann überall da, wo wir die Möglichkeit haben, menschliches Miteinander zu gestalten und zu beeinflussen. Z.B: Welche Sprache sprechen wir miteinander, welchen Ton schlagen wir an und welchen Ton dulden wir in unserem Umfeld? Wie gehen wir miteinander um und welches Verhalten dulden wir in unserer Nähe? Fördert es „Schalom“? Ich bin mir sehr sicher: wer diese Losung aktiv mit Herz und Verstand mit ins neue Jahr nimmt, wird spannende Erfahrungen machen und reich beschenkt werden.

Cornelia Benus-Dreyer  

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