Veröffentlicht am Mi., 13. Feb. 2019 10:44 Uhr

Gegen den Nationalismus halten Europas Protestanten zusammen

Jürgen Wandel berichtet von der Achten Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in Basel.

Auf einem Hügel über dem Rhein thront das Basler Münster. Schaut man von dort Richtung Norden, erkennt man die Ausläufer Lörrachs, das zu Deutschland gehört. Nur der Blick nach Westen, ins Elsass, wird von Betonklötzen der chemischen Industrie verstellt.

Schon die Lage im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz sprach dafür, dass die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ihre Achte Vollversammlung in Basel abhielt. Im Münster saßen die 96 Vertreter der 94 Mitgliedskirchen einander an langen Tischen gegenüber. Zu ihnen gehörten auch Delegierte der berlin-brandenburgischen Landeskirche, darunter Synodenpräsidentin Sigrun Neuwerth.

Politiker und Medienleute sprechen oft von „Europa“, wenn sie die Europäische Union meinen. Aber in Basel wurde sichtbar und hörbar, dass Europa größer ist. So gehören zur GEKE auch Kirchen aus Ländern, die nicht in der EU sind, wie Norwegen, Russland, Serbien und die Ukraine. Und die Schweizer Kirchen, die Gastgeber der Basler Versammlung, spielen eine wichtige Rolle. Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes Gottfried Locher (52) ist auch Präsident der GEKE.

Am vierten Tag unterbrach die Vollversammlung ihre Arbeit wegen des „Eidgenössischen Dank-, Buß- und Bettags“. Anders als der deutsche Buß- und Bettag ist er ein vom Staat verordneter Feiertag, der - praktisch und sparsam wie Schweizer sind - auf einen Sonntag fällt, den dritten im September. Und er wird in allen Kirchen begangen, auch den katholischen. Im Basler Münster wurde eine evangelische „Jodel-Messe“ gefeiert: Ein Trachtenchor sang auf Schwyzerdütsch die Hauptteile der Messe wie das Gloria in excelsis: „Zur Ehr vom Höchschte Hallejua, da stimme mir das Lied jitz aa“ Begleitet wurde der Chor von einer Ländlerkapelle aus zwei Klarinetten, „Schwyzerörgeli“ (ein kleines Akkordeon) und Bassgeige. GEKE-Präsident Locher und der Präsident des päpstlichen Einheitsrates Kardinal Kurt Koch unterzeichneten im Gottesdienst eine „Erklärung über die Absicht, einen gemeinsamen Dialog aufzunehmen“. Das ist bemerkenswert, weil der Vatikan bisher nur auf Weltebene Lehrgespräche geführt hat, zum Beispiel mit dem Lutherischen Weltbund, aber nicht mit einem regionalen Zusammenschluss wie der GEKE.

Die Vollversammlung forderte die Mitgliedskirchen der GEKE auf, sich in den kommenden Jahren mit dem Thema „Ethische Differenzen und Kirchengemeinschaft“ auseinanderzusetzen. So tun sich die Kirchen Osteuropas schwer mit der Gleichberechtigung von Frauen und von Schwulen. Und manche vermischen Christentum und Nationalismus. Die „Regionalgruppe Südost“ der GEKE, der auch die ungarisch-reformierte Kirche angehört, „wird gebeten“, sich an einem „Studienprozess zu ‚Demokratie als Herausforderung von Kirchen und Gesellschaften' durch Fallbeispiele aus dieser Region zu beteiligen“. Viele ungarisch-reformierte Kirchenmänner unterstützen das autoritäre Regime des Viktor Orban, der ihrer Kirche angehört.

Mindestens so wichtig wie die Diskussionen und Entscheidungen war in Basel, was in den Sitzungspausen geschah. Da konnte man einen lutherischen Pfarrer aus Schweden treffen, dessen Vater, einen ägyptischen Christen, es nach Schweden verschlagen hatte, wo er eine Einheimische heiratete. Der Sohn, der in Cambridge studiert hat, spricht BBC-Englisch. Oder man kam mit einem reformierten Pfarrer aus Polen ins Gespräch, der in Heidelberg studiert hat und akzentfrei Goethes Faust rezitieren kann. So - und durch andere Delegierte – ließ sich die Universalität oder Katholizität der Kirche in Basel unmittelbar erleben. Nun können nur wenige Menschen internationale Kirchenversammlungen besuchen. Umso wichtiger ist, dass Kirchengemeinden Beziehungen mit ausländischen aufnehmen. Das tut die Halenseegemeinde. Ihr Gemeindekirchenrat hat beschlossen, mit einer anglikanischen Gemeinde in London eine Partnerschaft einzugehen (siehe den Beitrag Dem Brexit zum Trotz).

Jürgen Wandel

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