Veröffentlicht am Fr., 28. Jun. 2019 14:00 Uhr

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn Jakobus 1, 19

Alles muss schnell gehen in unserem Leben. Wir wollen schnell von hier nach dort, Arbeitsergebnisse müssen eher gestern als morgen vorliegen, Pakete und Briefe können per Express zugestellt werden. Internet und Smartphone liefern uns Informationen innerhalb von Sekunden, Mitteilungen und Dokumente sind per Mausklick sofort beim Empfänger. Unsere Gesellschaft wird immer schnelllebiger und jeder versucht, sich in ihr zu behaupten. Jeder versucht, sich Gehör zu verschaffen, lauter zu sein als die Anderen.

 

So kommt es mir oft vor. Und wenn man sich auf den Straßen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln umsieht, sieht man in der Regel verkniffene Gesichter, sofern sie nicht hinter Smartphone und Tablet versteckt sind, und Menschen, die scheinbar mit sich selbst reden, bis man die Kopfhörer und Headsets in ihren Ohren wahrnimmt. Ich gehöre leider auch oft dazu. Ist es doch verlockend, auf dem Weg zur Arbeit schon einmal die wichtigsten E-Mails durchzusehen und erste Telefonate zu erledigen. Und auf dem Heimweg das Gleiche mit der privaten Korrespondenz.

 

Wir leben in einer unruhigen Zeit. Das wirkt sich auf uns alle aus. Permanent werden wir medial berieselt. Und natürlich lassen wir uns in der Regel mitreißen und machen dabei mit. Wir reden viel, fallen anderen bei Diskussionen und Auseinandersetzungen ins Wort und neigen dazu, hitzig und zornig zu reagieren, wenn etwas nicht so ist, wie wir es uns vorstellen oder wir uns nicht verstanden fühlen. Manchmal benehmen wir uns dann wie ein kleines Kind, das an der Supermarktkasse nicht den gewünschten Lolli bekommt und sich dann wütend auf den Boden schmeißt und mit den Fäusten hämmert.

Aber kleine Kinder können es auch noch nicht anders. Kleine Kinder haben noch nicht gelernt, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten und Enttäuschungen zu akzeptieren. Sie wissen noch nicht, wie man zuhört und die Argumente des Gegenübers annehmen kann. Das müssen wir Erwachsenen ihnen vorleben und beibringen. Aber tun wir das? Haben wir nicht selbst verlernt, Ruhe und Maß walten zu lassen? Können wir überhaupt noch aus unserer von der schnelllebigen Gesellschaft geprägten Haut herausschlüpfen und mal einen Schritt zurücktreten? Situationen einfach mal von außen betrachten, dem Anderen zuhören? 

Der Monatsspruch für Juli erinnert uns: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Hier werden wir ermahnt, eben genau das zu tun. Uns Zeit nehmen, um zuzuhören und unser Gegenüber richtig wahrzunehmen. „Sei schnell zum Hören“ bedeutet für mich nicht nur das verbale Zuhören. Ich denke, dieses „Hören“ bezieht sich auch darauf, unsere Umwelt und Umgebung wieder bewusster wahrzunehmen. Selbst mal wieder unsere Mitmenschen anzulächeln und das Lächeln der Anderen zu registrieren. 

Und es muss nicht immer schnell gehen. „Sei langsam zum Reden“ erinnert uns daran, darüber nachzudenken, wie wir auf Situationen, gestellte Aufgaben und Ansprache reagieren. Wie antworten wir? Wie wirkt das, was wir sagen und schreiben auf unseren Mitmenschen und wie fühlt er sich vielleicht dabei? Gesagtes kann eine Menge Schaden anrichten, denn Worte haben viel Macht. Daher sollten wir uns immer genug Zeit nehmen, mit Bedacht zu reden. 

Schließlich steckt in unserem Monatsspruch noch das „sei langsam zum Zorn“. Ich denke, Zorn ist gut und wichtig für unser eigenes Gleichgewicht. Aber wir sollen sparsam mit unserem Zorn umgehen und darauf achten, wie wir ihn einsetzen. Es ist nicht nötig, immer gleich aus der Haut zu fahren, wenn uns etwas gegen den Strich geht. Und hier schließt sich der Kreis wieder, denn erst kommt das Hören, Wahrnehmen und Verstehen. Dann ist die zornige Reaktion vielleicht gar nicht mehr nötig. 

Und so wünsche ich uns allen eine schöne Sommer- und Urlaubszeit mit mehr Ruhe im Alltag und einem bewussteren Wahrnehmen von uns selbst, unseren Mitmenschen und unserer Umgebung.

Jan Langer

Kategorien Neuigkeiten aus der Gemeinde