Veröffentlicht am Fr., 29. Mär. 2019 16:30 Uhr

Pfarrerin Jutta Schreur tritt am 1. Mai in den Ruhestand

Seit 30 Jahren ist Pfarrerin Jutta Schreur im Bereich der Halenseegemeinde tätig. Am 1. Mai tritt die 65-Jährige in den Ruhestand. Ab 1989 arbeitete sie beim Evangelischen Rundfunkdienst, einer Einrichtung unserer Landeskirche, die Radioandachten produziert und Gottesdienstübertragungen organisiert. Mit dieser Aufgabe war ein Predigtauftrag in der Jonagemeinde verbunden. Ihre Pfarrerin wurde Jutta 1996. Und als  Jona- und Hochmeistergemeinde 2016 zur Halenseegemeinde fusionierten, übernahm sie jeweils eine halbe Pfarrstelle an der Hochmeisterkirche und der Lietzenseekirche.

Jutta hat zwei Begabungen, die für den Pfarrberuf wichtig sind. Sie besitzt ein ausgeprägtes Sprachgefühl, und sie kann auf Mitmenschen zugehen und sie in ein Gespräch verwickeln. Jutta wurde als Predigerin auf der Kanzel wie im Rundfunk geschätzt. Nicht selten tauchten in der Jonakirche Leute auf, die sie im Radio gehört hatten. Und genauso positiv reagierten Leute auf ihre Predigten bei Trau- und Trauergottesdiensten.

In ihnen müssen Geistliche auf die Lebensgeschichte von Menschen eingehen, die ihnen oft unbekannt sind. Sie erfahren etwas erst, wenn sie im Vorgespräch Vertrauen wecken können. Jutta gelang das, und ihre Predigten kamen an. Sie wurde weiter empfohlen, so dass auch Paare aus anderen Kirchengemeinden von ihr getraut werden wollten und sich ein Bestatter aus dem Osten Berlins an sie wandte, wenn eine schwierige Beerdigung anstand.

Dass sich Begabungen entwickeln, hängt auch von der Umgebung ab, in der ein Kind aufwächst. Bei Jutta war das ein Weiler an der niedersächsisch-niederländischen Grenze. In der Provinz kommt man sowohl mit dem Pfarrer und Arzt wie mit Arbeitern und Bauern in Kontakt. Auch deswegen wachsen Kinder mitunter zweisprachig auf. Jutta sprach mit den Eltern schriftdeutsch, mit den Nachbarn, Bauern und ihren Kindern, dagegen Plattdeutsch. Bis zur ersten Lehramtsprüfung studierte sie Anglistik und Politikwissenschaften, dann Theologie. Beide Studiengänge lagen ihr im Blut. Der Vater war Lehrer, und ein Großvater war Pastor.

Die Schriftstellerin Ottilie Wildermuth schrieb 1852 über zehn unterschiedliche Pfarrhäuser, darunter „Das gastfreie Pfarrhaus“. Zur letzten Kategorie könnte man die Pfarrwohnung in der Roscherstraße 6 zählen. Jutta und Günter Schreur meldeten sich immer, wenn im Kirchenkreis gefragt wurde, wer Besucher aus dem Ausland aufnehmen könne. Jutta kochte und buk für die Gemeindefeste, Günter baute den Grill auf und bediente ihn. Und wenn die Pfarrerin außer Haus war, begegnete man an Tür oder Telefon einem aufmerksamen Pfarrmann.

Juttas Ruhestand dürfte nicht allzu ruhig werden. Der zweijährige Enkel hält die Großeltern auf Trab und – bei guter Laune.

Jürgen Wandel

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