Veröffentlicht am Fr., 28. Jun. 2019 13:49 Uhr
Christian Hagitte

Ende März konnte ich die schöpferische Arbeit an der Messe beenden. Aber der Reihe nach.

Beim herbstlichen Laubeinsammeln zusammen mit meinem Onkel kam mir plötzlich der Name für die Messe: eine Missa Popularis, also eine Messe für das Volk, die sich mit der Frage beschäftigt, wieviel Klassik in der Popmusik und wieviel Pop in der Klassik steckt und verträgt; ausgehend von einem großen sinfonischen Orchesterapparat der einen Chor ummantelt. 

Im weiteren konzeptionellen und kompositorischen Prozess spielt das Leitmotiv für den „menschlichen Zweifel“ aus dem Kyrie eine große Rolle.

Es wird im Credo in Verbindung mit dem Tod Jesu wieder aufgegriffen und löst sich danach wieder im Anfangshymnus auf. Die Grundstruktur des Credos ist demnach eine Spiegelform bestehend aus Hymnus (A), Zweifel (B), und wieder Hymnus (A). 

Der Wortlaut des Sanctus setzt sich zusammen aus der Akklamation der Engel in der Berufungsvision des Propheten Jesaja, sowie einem messianischen Begrüßungsruf aus Psalm 118, von der Menge gerufen beim Einzug Jesu in Jerusalem, der hier auf die eucharistische Gegenwart Christi bezogen wird.

Der erste Teil, der „Engelsteil“, ist ein Frauenchorstück, getragen von langen Akkorden der Männerstimmen, das sich dann zu der starken Exklamation „Hosanna in Excelsis“ im zweiten Teil steigert: Alle Chorstimmen und alle Orchesterinstrumente stimmen, wie ein Vogelschwarm - jeder auf seine Weise -  in den göttlichen Lobgesang ein.

Auch das Sanctus weist eine A B A Form auf, denn es endet wieder mit dem dreimaligen Sanctusruf der „Engel“. 

Die Messe kommt nun mit dem Agnus Dei zur Ruhe und findet ihren Frieden: das Leitmotiv des „Zweifels“ wird auch hier aufgegriffen und entstört. In der Liturgie ist das Agnus Dei ein an Jesus Christus gerichtetes litaneiartiges Gebet, das seit dem 7. Jahrhundert in der römisch-katholischen und allen von ihr abstammenden Liturgien während der Eucharistie beim Brechen des Brotes nach dem Friedensgruß gesungen oder gesprochen wird. In der Abendmahlsliturgie in der lutherischen Kirche wird das Agnus Dei nach den Einsetzungsworten von der Gemeinde gesungen.

Geschrieben ist das Agnus Dei für Mezzosopran und Chor. Das Thema wird dreimalig variiert wiederholt und endet in einem friedvollen über alle Zweifel erhabenen „Dona nobis pacem“. 

Mit „VOLLENDET“ meinte ich, wie oben erwähnt, die schöpferische Arbeit. Was danach noch zu tun war und auch noch zu tun ist, ist die Feinarbeit: z.B. eine Chorpartitur mit Klavierauszug erstellen. Großen Dank dabei an das Organisationsteam des Hochmeisterprojektes und an Christian Höffling, Leiter des HochmeisterChores, für sein akribisches und effizientes Lektorat. Des Weiteren muss die Partitur in mehreren Schritten redigiert werden. Vor allem die üppige Percussionsbatterie im Kyrie und Gloria muss auf Realisierbarkeit hinterfragt werden. Auch die Harfenstimme bedarf einer Überarbeitung. 

Last but not least noch einen kurzen Bericht zur Einstudierung der Missa. Die Chorproben laufen, alle Sätze scheinen für die beiden Chöre machbar. (Wir stemmen dieses Projekt ja zusammen mit dem HochmeisterChor.)

Auch in der ersten, leider noch sehr dünn besetzten, Orchesterprobe vor den Osterferien, stellte ich mit Erleichterung fest, dass die Missa für gut geübte Laien zwar eine Herausforderung darstellt, aber spielbar ist. 

Die „Missa Popularis“ wird dann vom 23. bis 25. August 2019 in der Hochmeisterkirche das Licht der Welt erblicken. Ich freue mich auf diesen Akt und wünsche, dass Sie dabei sein können,

  Ihr Christian Hagitte

 

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