Veröffentlicht am Mo., 1. Apr. 2019 14:00 Uhr

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Mt. 28,20

Die letzten Worte Jesu an seine Jünger. Sie haben sich aufgemacht zu einem Berg in Galiläa, mit Hoffnung im Herzen, und mit Zweifeln auch – der Auferstandene hatte ihnen durch die Frauen, die ihm am Ostermorgen begegnet waren, ausrichten lassen, dass sie ihn dort sehen würden.

Und nun also: letzte Worte. Sie haben oft, wie auch erste Worte, eine besonders tiefe Bedeutung. „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Er verspricht, sie niemals zu verlassen, egal, was geschieht. Er verspricht, jeden Weg mitzugehen – die glückseligen, leichten Herzens fast geschwebten, und die himmelschreiend leidvollen auch. Er verspricht es, durch die Jahrtausende weitererzählt und in Glaubenserfahrungen weitergegeben, auch uns.

Seine Worte erinnern an das Versprechen, dass Gott dem Mose gegeben hatte, als er ihm vor dem Auszug aus Ägypten zum ersten Mal seinen Namen offenbarte: Jahwe. Das bedeutet übersetzt etwa: „Ich bin der ich bin“ oder „Ich werde sein, der ich sein werde“ und meint ganz konkret: „Ich bin für dich da und werde für dich da sein. Das ist mein Name. Das ist mein Wesen.“

„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das ist ein monumentales Versprechen für Menschen, die nach der Kreuzigung Jesu tagelang auf der Flucht gewesen waren, mit dem Gefühl unendlicher Verlassenheit, dem Gefühl des Scheiterns und Versagens einer großartigen Hoffnung.

Und nun steht er wieder vor ihnen. Nicht, um die Zeit zurückzudrehen und wieder genauso für sie da zu sein, wie vor der Kreuzigung. Er weiß es und sie wissen es, dass es so nie wieder sein wird. Er nimmt Abschied von ihnen, um von nun an in der Ewigkeit zu sein und dennoch – nein, gerade deshalb und so - immer bei ihnen zu sein.

Vielleicht trifft er sie deshalb auf einem Berg. Das ist ein guter Ort, um Menschen eine so kühne und verwegene Hoffnung ins Herz zu legen.

Auf einen Berg zu steigen, ist immer etwas Besonderes. Die Ebene rückt immer ferner, und auf dem Gipfel öffnet sich die Aussicht weit ins Land, bis an die Grenzen des Horizonts. Solch einen Überblick bekommt man nur von ganz oben. In der Ebene ist der Horizont oft durch Naheliegendes zugebaut, verstellt vom Alltäglichen, auch im übertragenen Sinn. Manchmal muss man die Ebene verlassen, muss hochsteigen, muss das Übliche hinter sich lassen, um sich Übersicht zu verschaffen und einen Blick für`s Ganze zu bekommen, einen weiten Horizont, der mehr umfasst, als das tägliche Einerlei, mehr, als uns in der Ebene vor Augen liegt, mehr auch, als die engen Grenzen unseres Glaubens, Hoffens und Vertrauens.

Ich stelle mir vor, wie sie ihn sehen und hören – da oben, auf dem Berg. Ihr Blick und ihr Herz und ihre Seele und ihr Verstand weiten sich. Er wird in der Ewigkeit sein, und sie bekommen eine Ahnung davon, dass das nicht einfach bedeutet: „für immer“, oder „für immer weiter“, nur an einem anderen Ort. Sie spüren, wie Zeit und Ewigkeit nicht zwei Dimensionen sind, die gegeneinanderstehen. Sie spüren in einem einzigartigen Augenblick, wie in der Begegnung mit ihm ihr eigenes Leben von Ewigkeit getragen und durchflutet und in sie eingetaucht ist.

Sie kehren anders vom Berg zurück, als sie hergekommen sind. Mit Hoffnung, Zuversicht, Glauben und Vertrauen erfüllt, und mit dem Auftrag, weiterzuerzählen, was sie erlebt, gesehen und gehört haben, damit auch andere es erfahren dürfen.

Damit auch wir, bis heute, jeder und jede einzelne hören und glauben dürfen: Siehe, ich bin bei dir, alle Tage, bis an der Welt Ende. Was das bedeuten kann, hat der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in einem Satz zusammengefasst: „Wir können mit Jesus, mit ihm, in alles hinein, aus allem heraus und durch alles hindurch gehen. Und mit ihm all unsere Fragen beantworten.“

Cornelia Benus-Dreyer

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