Veröffentlicht am Mo., 12. Aug. 2019 13:00 Uhr

Sechs Fragen – Sechs Antworten Menschen aus der Halenseegemeinde im Porträt-Interview: Helmut Witten

Helmut Witten ist Studiendirektor im Ruhestand. Der 73-Jährige hat Mathematik, Physik und Informatik unterrichtet. Er gehört schon lange zur Halenseegemeinde. Seine Frau Astrid ist Prädikantin und Mitglied des Gemeindekirchenrates. In ihrer Wohnung trifft sich regelmäßig ein Hauskreis, der Glaubensfragen diskutiert.

1. Was und wer hat Sie religiös geprägt?

In meiner Familie ist man zu Weihnachten in die Kirche gegangen, und zu Ostern hat man Ostereier gesucht, statt über die Auferstehung zu sprechen. Näher zur Kirche bin ich in meiner Heimatstadt Bad Harzburg durch den Konfirmandenunterricht gekommen. Ich bin auch bei den evangelischen Pfadfindern gewesen. Im Ferienlager im Harz habe ich tolle Abenteuer erlebt, aber auch Andachten kennengelernt.  Und ich habe im Posaunenchor mitgespielt. So habe ich 1961 als Fünfzehnjähriger am Deutschen Evangelischen Kirchentag in West-Berlin teilgenommen und beim Gottesdienst im Olympiastadion die Posaune geblasen. Ab 1965 habe ich in West-Berlin studiert. Das Engagement in der Studentenbewegung hat mich von der Kirche entfremdet. Ein einschneidendes Erlebnis ist der 2. Juni 1967 gewesen, die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch einen Polizisten. Zur Kirche zurückgebracht hat mich das Engagement in der Friedensbewegung und die Rolle, die Heinrich Albertz gespielt hat, der Regierender Bürgermeister von West-Berlin und später Pfarrer in Schlachtensee gewesen ist. Besonders beeindruckt hat mich sein Umgang mit seiner Mitschuld am Mord an Ohnesorg. In Erinnerung ist mir auch die Bibelarbeit über Psalm 90 geblieben, die er 1989 beim Kirchentag in West-Berlin gehalten hat. Meine Frau Astrid ist Mitglied im Gemeindekirchenrat der Hochmeistergemeinde geworden. Anfang der Neunzigerjahre haben Pfarrerin Cornelia Benus-Dreyer und andere Gemeindeglieder einen Hauskreis ins Leben gerufen, der schon lange in unserer Wohnung zusammenkommt. Da besprechen wir Glaubensfragen und zum Beispiel biblische Bücher wie Hiob und die Johannesoffenbarung.

2. Was ist Ihnen am Glauben wichtig?

Frei nach Lessing würde ich sagen: Wenn Gott mir in der rechten Hand die Glaubensgewissheit zeigen würde und in seiner Linken die Suche danach, zusammen mit Zweifel und Irrtum, so wäre die linke Hand meine Wahl. Mir ist wichtig, dass ich in der Kirche Zweifel äußern kann, ohne ins Abseits gestellt zu werden. Ein wichtiger Aspekt des Glaubens ist für mich die Gemeinschaft, die er stiftet, in der Halenseegemeinde wie in unserem Hauskreis, in dem es darum geht, den Glauben zu verstehen und intellektuell zu verantworten.

3. Was schätzen Sie an der Halenseegemeinde?

Die Freundlichkeit und Offenheit, die viele Leute ausstrahlen. Und natürlich das Musikleben dank der Tätigkeit von Christian Hagitte.

4. Was wünschen Sie sich von Ihrer Gemeinde?

Ich bin zufrieden.

5. Was machen Sie gern in Ihrer Freizeit?

Ich beschäftige mich immer noch mit den Fächern, die ich unterrichtet habe, Mathematik, Physik und Informatik. Und ich lese gerne Geschichtsbücher. Zum Beispiel habe ich den deutsch-amerikanischen Historiker Fritz Stern gerne gelesen. Meine Frau und ich reisen viel. So haben wir am Dortmunder Kirchentag teilgenommen. Und wir haben ein kleines Ferienhäuschen in Frankreich, am Rande der Pyrenäen. Aber am liebsten besuchen wir unsere Kinder. Von den fünf Enkeln zwischen zwei und zwölf Jahren leben drei in Schwerin und zwei bei Toulouse. Die in Schwerin hüten wir öfter, die Franzosen dafür länger.

6. Was möchten Sie in Ihrem Leben noch machen?

Ich möchte noch lange die Entwicklung unserer Kinder und Enkel verfolgen können. Und dann möchte ich mich weiterhin mit der Digitalisierung beschäftigen und der Geschichte. Als Physiker, aber auch als Mitglied der Friedensbewegung interessiert mich zum Beispiel die Geschichte der Atombombe.

Das Interview führte Jürgen Wandel

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