Veröffentlicht am Di., 8. Okt. 2019 09:00 Uhr

Sechs Fragen – Sechs Antworten Menschen aus der Halenseegemeinde im Porträt-Interview

Heike Kohlenberg unterrichtet am Goethe-GymnasiumEnglisch und Deutsch. Die 61-Jährige stammt aus demwestfälischen Soest. Seit 1981 lebt sie in Berlin. Siegehörte zur Jonagemeinde, bis diese vor drei Jahren mitder Hochmeistergemeinde zur Halenseegemeinde fusionierte. Was und wer hat Sie religiös geprägt?

1. Was und wer hat Sie religiös geprägt?

Das kann ich gar nicht so einfach beantworten. Ich bin immer mit der Kirche verbunden gewesen. Und ich habe bis heute eine starke Bindung an die Kirchengemeinde der St. Pauli-Kirche in Soest, in der schon meine Großeltern und Eltern getraut worden sind und in der ich getauft worden bin. Meine Eltern sind keine regelmäßigen Kirchgänger gewesen. Ich habe den Kindergottesdienst besucht und bin konfirmiert worden. Dass der Glaube beziehungsweise das Christentum immer mit Nächstenliebe zu tun hat, habe ich auch durch meinen Freiwilligendienst mit der Aktion Sühnezeichen in einer Suppenküche für Obdachlose in der US-Hauptstadt Washington erfahren. In den Neunzigerjahren habe ich wieder regelmäßiger den Gottesdienst besucht. Eine wichtige Rolle hat dabei gespielt, dass im Gottesdienst gesungen wird. Ich stimme sehr gerne mit ein, während ich für einen Chor vollkommen ungeeignet wäre. Meine Bindung zur Kirche hat auch ein Pfarrer der Berliner Gemeinde gestärkt, zu der ich gehört habe, bevor ich in den Bereich der Jonagemeinde gezogen bin. Seine Predigten haben mich nie gelangweilt. Und das ist für mich bis heute ein wichtiges Kriterium.

2. Was ist Ihnen am Glauben wichtig?

Mir ist das Wort aus Psalm 31 wichtig geworden: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Gerade in Krisenzeiten ist bei mir die Einsicht gewachsen, dass der Mensch das Leben nicht in der Hand hat. Und bei der Erziehung meines Sohnes habe ich gelernt, wie wichtig es ist, loslassen zu können, dass ich im Leben nicht alles unter Kontrolle haben und verstehen kann, sondern es Gott anheimstellen kann. Für mich bedeutet der Glaube auch, nicht eitel zu sein, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen und mich nicht über andere Menschen zu stellen, egal aus welcher Schicht oder Kultur sie stammen.

3. Was schätzen Sie an der Halenseegemeinde?  

Ich gehe nicht jeden Sonntag, aber oft zum Gottesdienst, weil ich das Bedürfnis der Nähe zu Gott habe. Und ich freue mich, dass ich beim Gottesdienst in der Hochmeisterkirche ein paar Leute treffe, die ich zum Teil noch aus der Jonagemeinde kenne. Und ich finde großartig, was der Kirchenmusiker Christian Hagitte auf die Beine stellt.

4. Was wünschen Sie sich von Ihrer Gemeinde?

Ich wünsche mir, dass die Kirche nicht auf jeden Zug aufspringt, weil sie meint, nur so könne sie die Leute gewinnen. Ich schätze zum Beispiel die Lutherbibel und halte gar nichts von der Bibel in gerechter Sprache. Ich erwarte von der Kirche, dass sie sich klar gegen jede Form von Antisemitismus positioniert, auch den, der von manchen Muslimen kommt.

5. Was machen Sie gern in Ihrer Freizeit?

Ich bin gerne draußen. Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. Und wenn ich in meiner alten Heimat in Soest bin, mache ich Radtouren ins Ruhrgebiet. Und in Berlin schwimme ich regelmäßig im Olympiastadion. Ich lese gerne und besuche mit meinem Mann oft Konzerte. Ich bin sehr begeistert von Kirill Petrenko, dem neuen Dirigenten der Berliner Philharmoniker.

6. Was möchten Sie in Ihrem Leben noch machen?

Ich bin sehr gerne Lehrerin und möchte meinen Beruf ausüben, bis ich 65 Jahre alt bin. Dann möchte ich zumindest einige Zeit in meinem Elternhaus in Soest verbringen, aber gleichzeitig das kulturelle Angebot in Berlin wahrnehmen. Wie beides möglich ist, muss ich noch klären. Außerdem möchte ich noch mein Latinum nachholen und Großmutter werden.

Das Interview führte Jürgen Wandel

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