Veröffentlicht am Di., 8. Okt. 2019 09:00 Uhr
Sechs Fragen – Sechs Antworten

Menschen aus der Halenseegemeinde im Porträt-Interview: Cornelia Bradshaw

Cornelia Bradshaw leitet seit 3 Jahren mit anderen regelmäßig den Seniorenkreis unserer Gemeinde am Donnerstag. Sie bereitet mit großer Sorgfalt und Engagement die Nachmittage für einen lebendigen Seniorenkreis vor. Cornelia Bradshaw ist jetzt im Ruhestand und hat ihr Berufsleben über als Controllerin bei einem großen Technik-Verlag gearbeitet. Sie ist mit einem Wissenschaftler verheiratet und gehört seit 10 Jahren zu unserer Gemeinde.

Was und wer hat Sie religiös geprägt?

Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes ein Luftbrücken-Baby, aufgewachsen in Neu-

Cornelia Bradshaw

Tempelhof, nur wenige 100 Meter vom Tempelhofer Flughafen entfernt. Wir gehörten zur Gemeinde „Kirche auf dem Tempelhofer Feld". Religiös geprägt hat mich vor allem meine Mutter, die mir schon als kleines Kind von Jesus erzählt hat und jeden Abend mit mir gebetet hat. Mein Vater war Atheist und auch kein Kirchenmitglied. Aber er war ein sehr toleranter Mann, der nicht nur meine christliche Erziehung durch meine Mutter akzeptierte, sondern auch sehr persönlichen Kontakt zu den evangelischen Pfarrern unserer Kirche und zu dem Priester der benachbarten katholischen Judas Thaddäus Gemeinde pflegte. Schon früh habe ich den Kindergottesdienst unserer Gemeinde besucht und als ich dann in den Konfirmandenunterricht ging (damals noch 2 Jahre!!!), wurde ich auch Mitglied der „Jungen Gemeinde". Das war eine großartige Zeit, wir haben Wanderfahrten unternommen, hatten regelmäßige Treffen auf denen wir über Bibelthemen diskutierten und an den Wochenenden veranstalteten wir Tanzabende oder kamen einfach so zusammen.

Was ist Ihnen am Glauben wichtig?

Für mich ist der Glaube etwas an dem ich mich festhalten kann. Ich bin auf jeden Fall eine unbequeme Gläubige, habe oft Zweifel und kann auch nicht überzeugt an alles glauben, was gelehrt wird. Aber ohne Glauben kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. Es ist immer etwas was mich auffängt, wenn das Leben mich beutelt, ich fühle mich nicht allein. Mein Glaube macht mich auch demütig vor der Natur und auch dankbar, dass ich bisher ein sehr gutes Leben hatte. Gerade das empfinde ich jeden Tag und lasse es in meine Gebete einfließen.

Was schätzen Sie an der Halenseegemeinde?

Aus meiner Sicht bietet diese Gemeinde ihren Mitgliedern enorm viel. Wenn ich mir die lange Liste der sich wiederholenden Angebote ansehe, ist eigentlich für jeden etwas dabei. Besonders am Herzen liegt mir natürlich der Seniorenkreis, den ich selbst einmal im Monat moderiere. Anfangs war das gar nicht so einfach für mich, ich hatte überhaupt keine Erfahrung, was man da so macht. Aber inzwischen läuft das aus meiner Sicht ganz gut. Ich freue mich jedes Mal auf diesen Donnerstag und auf alle meine Teilnehmer/innen, die auf meine angebotenen Themen immer lebhaft eingehen. Schade nur, dass ich kein Instrument spiele, unser a-capella-Gesang ist wohl recht gewöhnungsbedürftig. Aber uns macht es trotzdem Spaß.

Besonders schön finde ich, dass die Musik in unsere Hochmeistergemeinde einen so wichtigen Platz einnimmt. Ich meine nicht nur die großen Sommer-Festivals mit Aufführungen wie „Anatevka", sondern auch die Gottesdienste werden oft musikalisch zusätzlich aufgewertet durch Geigensoli unseres Pfarrers oder Kompositionen unseres Kirchenmusikers.

Gerne besuche ich auch die Meditationsgottesdienste, die für mich eine wunderbare Entspannung in der Hektik des Alltags sind und mich im Glauben stärken.

Was wünschen Sie sich von Ihrer Gemeinde?

Eigentlich habe ich keine Wünsche. Ich finde, unsere Gemeinde beweist immer wieder ihre Zusammengehörigkeit. Als Beispiel fällt mir vor allem „Laib und Seele" ein. Seit einigen Jahren verteilen Ehrenamtliche in unserer Kirche Lebensmittel an Bedürftige, und in diesen Corona-Zeiten werden die Lebensmittel ausgefahren.

Was machen Sie gern in Ihrer Freizeit?

Ich bin eine ausgesprochene Leseratte. Ohne Bücher kann ich einfach nicht sein. Eigentlich habe ich immer ein Buch bei mir. Nicht unbedingt gedruckt und gebunden, aber auf jeden Fall als Hörbuch auf einem MP3-Player. Der ist nicht größer als eine Streichholzschachtel und passt in jede Handtasche. Der besondere Genuss beim Hörbuch ist, dass einem die Literatur meist von einem Schauspieler vorgetragen wird. Einer meiner Lieblingssprecher ist Matthias Brandt, aber auch Katharina Thalbach ist eine wunderbare Vorleserin.

Kino, Theater und Oper gehören auch zu meinen Lieblingsunternehmungen, leider habe ich dafür nicht genügend Zeit.

Früher war Reisen natürlich ganz wichtig für mich. Wann immer es möglich war, habe ich meinen Mann begleitet. Als Wissenschaftler war er viel auf internationalen Tagungen unterwegs. Ich habe dadurch sehr viel von der Welt gesehen, vielleicht viel mehr als ein normaler Tourist. Vielleicht bin ich dadurch jetzt nicht mehr so neugierig. Meine große Liebe gehört der Provence, ich habe dort immer das Gefühl, in einem früheren Leben dort gelebt zu haben (eher hinduistischer oder buddhistischer Glaube). Leider ist mein Mann gesundheitlich angeschlagen und so machen wir jetzt in Deutschland Urlaub und haben die Insel Sylt für uns entdeckt. Wann das in diesem Jahr sein wird, das hängt allerdings, wie so vieles, von dem weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Was möchten Sie in Ihrem Leben noch machen?

Ich bin mit meinen Wünschen und Planungen in den letzten Wochen sehr bescheiden geworden. Ganz oben in meiner Liste steht der Wunsch, dass diese Isolation endet und ich endlich meine Enkelkinder wieder in den Arm nehmen darf.

Ansonsten ist mein Leben gut so, wie es ist. Ich bin sehr dankbar für alles, was das Leben mir bisher geboten hat und warte einfach ab, was es noch weiter mit mir vorhat.

Interview: Joachim Krätschell


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