Veröffentlicht am Fr., 29. Nov. 2019 09:38 Uhr

Sophienkirche in neuem Glanz

Unweit des S-Bahnhofs Hackescher Markt, zwischen Großer Hamburger Straße und Sophienstraße erhebt sich der 69 Meter hohe Turm der Sophienkirche. Er ist der einzige Barockturm Berlins, der den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Auch das Kirchenschiff blieb erhalten. Vor einiger Zeit wurde seine Renovierung abgeschlossen, so dass es in neuem Glanz erstrahlt.

Wer einen Raum mit üppigen Deckengemälden, ausladendem Hochaltar und beschwingten Putten erwartet wie in katholischen Barockkirchen, wird enttäuscht - oder angenehm überrascht. Die Sophienkirche ist ein Beispiel protestantischen Barocks. Die Farbe Weiß, ein wenig Lindgrün und ein paar goldene Verzierungen prägen das Schiff. Und wie es für Barockkirchen typisch ist, sind die Fenster nicht bunt, sondern aus hellem geschliffenem Glas, so dass das Tageslicht einfallen kann.

Die Kirche war 1713 eingeweiht, ihr Turm 1735 fertiggestellt worden.  Aber sein heutiges Aussehen erhielt das Schiff erst durch eine neobarocke Umgestaltung 1891 bis 1892. Damals wurde an der Decke ein vergoldetes muschelartiges Ornament angebracht, das die Kunsthistoriker „Rocaille“ nennen. Und das Chorgewölbe krönt seither ein goldener Strahlenkranz, der die Taube umgibt, die den Heiligen Geist darstellt. Zur originalen Barockausstattung gehören dagegen die Kanzel von 1713, der Taufstein von 1741 und das vergoldete Orgelgehäuse von 1790.

Im Kirchenschiff hängt ein Gemälde, das die Wiedereinweihung am 18. Juni 1892 zeigt. In der ersten Reihe erkennt man Kaiser Wilhelm II. Der Pfarrer, der dem Gottesdienst vorsteht, trägt – lutherischer Tradition folgend - über dem schwarzen Talar ein weißes Chorhemd.

Für den Kirchhof, der Sophien umgibt, trat die Jüdische Gemeinde einen Teil ihres Friedhofs ab. In dem Kaufvertrag versprach die Sophiengemeinde 1714, „der hiesigen Judenschaft allen guten Willen und nachbarl. Freundschaft genießen zu lassen“. Dies wurde leider nicht eingelöst. Aber mit der Einwanderung von Juden aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion haben nichtjüdische Deutsche eine zweite Chance erhalten. 1993 wurde neben der Sophienkirche, im Gebäude der früheren jüdischen Knaben-und Mädchenschule, das Jüdische Gymnasium eingerichtet.

Hinter der Kirche, in der Sophienstraße stehen Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die von den Bomben des Krieges und der Abrisswut nach 1945 verschont wurden. Hier hat man das Gefühl, man befände sich in einer Kleinstadt. So bildet die Straße eine romantische Kulisse für den Weihnachtsmarkt, auf dem nicht der übliche Ramsch verkauft wird, sondern Produkte aus Künstlerhand und fairem Handel angeboten werden.

Geöffnet ist der Weihnachtsmarkt bis zum 22. Dezember samstags 12 bis 20 und sonntags 11 bis 19 Uhr. Vorher, um 10 Uhr kann man den Gottesdienst in der Sophienkirche besuchen. Und wer sich nach dem Marktbesuch bei Buletten und Schmorgurken stärken will, dem sei das „Sophieneck“ empfohlen, eine urige Kneipe Ecke Sophien- und Große Hamburger Straße.  

Jürgen Wandel

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