Veröffentlicht am Mi., 17. Feb. 2021 00:00 Uhr

Jesus antwortete: Ich sage euch: wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien! Lukas 19,40

Die Steine schreien. Was soll das bedeuten? Steine sind doch keine Lebewesen? Ich kenne nur den Ausdruck „zum Steinerweichen“, weinen zum Beispiel. Heißt so viel wie überzeugend sein, Gefühle da entstehen lassen, wo man sie nie vermutet hätte, Mitgefühl in einem versteinerten Herzen erwecken...

Ist das gemeint? Sind wir, ich und du, gemeint mit dem „diese“? Wenn wir beide schweigen, dann werden sogar Steine zum Leben erwachen und ihre Not, ihren Protest herausschreien.

Da möchte ich über Vieles reden: über die Not der Obdachlosen im Pandemiewinter, über die Kinder in schwierigen Familienverhältnissen, die in den letzten Monaten ohne Schule und Freunde noch mehr als sonst vernachlässigt wurden, über die Inhaber kleiner Geschäfte, die vor dem finanziellen Nichts stehen.

Wenn ich dann noch über unseren deutschen oder europäischen Tellerrand hinausschaue, dann kann ich gar nicht mehr aufhören, da wird die Liste der Verhältnisse, die im Wortsinn „zum Himmel schreien“ immer länger: elende Lager, in denen Menschen festgehalten werden, die auf der Flucht vor Krieg, Folter oder Hunger sind, Verhöhnung und Verfolgung von Menschen wegen ihrer Sexualität, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion, unwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen für Wanderarbeiter, Tierquälerei, Zerstörung der Regenwälder und Verschmutzung der Ozeane um des Profits willen.

Ich stelle den Monatsspruch in seinen Zusammenhang im Lukasevangelium: Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.Und als er nahe hinzukam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zum Frieden dient! (Lukas 19,37-42)

Jesus kommt nach Jerusalem und es gibt einige, die erkannt haben, wer er ist und was dieser will: Der König des Friedens, der im Namen Gottes Menschen heilt und Beziehungen wieder zurechtbringt. Der uns zeigt, was Nächstenliebe ist, der uns beistehen will in Angst, Not und im Sterben.In einem der bekanntesten und schönsten Adventslieder heißt es: Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst. Das habe ich auch im vergangenen Advent gehört, gesummt oder – im stillen Kämmerlein – gesungen. Und leider habe ich es trotzdem viel zu oft in den hektischen Tagen vor Weihnachten und mit den Corona-Fragen, den Ängsten, der Trauer vergessen: Da kommt einer, der will Frieden bringen, Frieden, der mehr ist als Abwesenheit von Krieg, Frieden für unsere Seelen. Jetzt in der Passionszeit und auf dem Weg zum Osterfest will ich nicht schweigen, da wollen wir auch als Gemeinde nicht schweigen. Wir wollen nicht, dass die Steine zum Himmel schreien müssen. Wir wollen aufstehen gegen Ungerechtigkeit, Menschenfeindlichkeit und Zerstör-ung der Natur. Und wir wollen erzählen von der Güte Gottes und seinen Taten an uns und für uns. Der Friede Gottes ist ein Friede, der höher ist als alle Vernunft. Im Frieden Gottes sind wir geborgen, behütet und geliebt.Das nehme ich mir für die Passionszeit 2021 vor. Machen Sie mit?

Astrid Witten

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